Tuntenhaus Berlin
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Entdecke die Geheimnisse der Kraft des Eros der Weisheit des Tuntenhauses

 

Das Tuntenhaus

ist ein Wohnprojekt von schwulen Männern
in einem ex-besetzten Haus
im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Das erste Tuntenhaus existierte Anfang der 80er Jahre in der Bülowstraße in Schöneberg.

Das zweite, legendenumwobene Tuntenhaus wurde am Tag der Arbeiterinnen 1990 in der Mainzer Straße in Friedrichshain zusammen mit anderen Häusern besetzt. Einblick in das damalige Haus-Leben gibt die Dokumentation "Battle of Tuntenhaus" der us-amerikanischen Regisseurin Juliet Bashore. Im November 1990, kurz nach der sogenannten Wiedervereinigung, merzte die BRD-Staatsmacht auf Anordnung des Berliner Bürgermeisters Momper (wer hat uns verraten?-Sozialdemokraten!) das bunte Treiben aus: in einer mehrtägigen Räumungsaktion verbunden mit Straßenschlachten wurde dem kurzen Sommer der Anarchie der Garaus gemacht.

Kronleuchterhof

Je nach rollenspezifischem Gestus waren also die Tunten gezwungen, ihre Röcke zu raffen, und die Mackerchen mussten ihre Stiefeletten schnüren. Ein Großteil der Bewohner zog nach der Vertreibung in ein ebenfalls besetztes Haus in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg. Dort wurden die Wohnverhältnisse schnell legalisiert. Die Sozialstruktur dieses Hauses war lange Zeit charakterisiert durch starke Fluktuation der Bewohnerinnen. Im Moment bilden 17 Schwule, die sich als links oder alternativ definieren, eine Hausgemeinschaft, die sich wiederum auf vier Küchen aufteilt. Kommunikationsfördernd wirkt sich die Zimmerverteilung im Haus aus: man wohnt nicht automatisch auf dem Stockwerk, auf dem sich die WG-Küche befindet.

Tuntenhaus oder Männerwohnheim?
Tuntenhaus oder Männerwohnheim?

Ein Hauch von Luxus hat im Hausbesetzer-Ambiente seit dem Eigenbau eines Badezimmers Einzug gehalten. So kann tunte im Schaumbad sektschlürfenderweise bestaunen, wie ihr Macker-Mitbewohner die Glatze nassrasiert. Dem einen einsamen Duschkopf stehen immerhin 12 Computer im Haus gegenüber, was nicht nur die Wahl der Prioritäten veranschaulicht, sondern auch den Vorwurf illustriert, homosexuelles Männerwohnheim zu sein.

Das abgehalfterte, von der Sonne verschmähte Hinterhaus, das Dank Dispersionsfarbe aufgedonnert daherkommt, wird von Außenstehenden zum Teil als in sich kreisender Kosmos beschrieben. Das Hausleben samt der auftauchenden Probleme ist zeitintensiv, so dass schnell der Eindruck entsteht, man beziehe sich nur auf sich selbst. Entgegen landläufiger Meinung existiert nicht DAS Tuntenhaus, d.h. es gibt keine vom ZK diktierte Parteilinie. Stattdessen wird viel gestritten und gelitten. Gelacht und gelebt. Gegackert und gegluckst.

Nachdem sich das Haus zehn Jahre lang in Notverwaltung der Wohnungsbaugesellschaft befand, erfolgte im Jahr 2000 die sogenannte Rückübertragung an private Finanziers. Vorletzten Winter standen dann plötzlich drei neue Eigentümer auf der Matte, deren Vorstellungen im Moment nicht mit unseren vereinbar sind. Elementar für unser Zusammenwohnen ist z.B. das Belegungsrecht für frei werdende Zimmer und Wohnungen. Wir wollen uns selbst aussuchen können, mit wem wir unsere Gemeinschaft organisieren. Tuntenhäuser in anderen Städten wurden schon platt gemacht: uns bekannt sind das Tuntenhaus in Bremen(D) und das "DerDieDas Tuntenhaus" in Bern(1994-96, CH). In Genf(CH) existierte ein besetztes schwul-lesbisches "Tantenhaus". Im Übrigen gibt es kein Patent auf das "Konzept" Tuntenhaus, bildet also ein—zwei—viele Tuntenhäuser!

 

Selbstverkultung in sozialistischen Ausmaßen
antike Fresken im Tuntenhaus